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Saison-Thema: Kräuterwochen - Brennessel, Giersch und mehr

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sibylle

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verfasst am 27.04.2006 um 07:25:15 Uhr | Titel: Saison-Thema: Kräuterwochen - Brennessel, Giersch und mehr

Brennessel und Giersch: schmackhaft und gesund

Unsere Vorfahren feierten das Erwachen der Natur im Frühjahr mit dem Essen bestimmter Wildkräuter, dadurch nahmen sie nach dem langen Winter wieder Kraft in sich auf. Verbunden wurde dies häufig mit dem rituellen Verräuchern von Kräutern zur Reinigung von Haus und Hof.
Vielerorts ist noch die Gründonnerstagssuppe bekannt, die Gesundheit für das Jahr bringen sollte und aus neun Kräutern, u.a. Giersch und Gundelrebe zubereitet wurde.
Giersch - schon bei der Erwähnung des Namens zucken viele Gartenbesitzer zusammen und denken mit Schrecken an die Arbeit, die ihnen das überaus hartnäckige Kraut auch in diesem Frühjahr bescheren wird...

Als Unkraut bezeichnet man sie gerne, aber ein Blick auf die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Wildkräuter kann uns eines Besseren belehren. Wildpflanzen enthalten meist wesentlich mehr Vitamine und Mineralstoffe als gezüchtete Kräuter und Gemüse – so ist zum Beispiel der Vitamin C-Gehalt von Brennnesseln doppelt so hoch wie der von Zitronen.
Die Möglichkeiten der Zubereitung von Wildkräutern sind sehr vielfältig. Ob als Salat, Gemüse, Kräuterquark, Pfannkuchen oder auch als Teezubereitung genossen - der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt...
Wenn der Frühling näher rückt denkt so mancher an eine Frühjahrskur. Stichworte wie Entschlackung und Stoffwechselanregung fallen und in der Apotheke wird nach allerlei Tees und Präparaten gefragt.
Wie wäre es in diesem Frühjahr stattdessen mit einem Gang in die Natur? Die hält nämlich alles bereit für unsere ganz persönliche Frühjahrskur und versorgt dabei auch gleich unsere Sinne mit wohltuenden Eindrücken. Es kann durchaus überraschend sein, einmal ohne an Arbeit zu denken, den eigenen Garten zu betreten und wirklich wahrzunehmen, was dort alles zu sprießen beginnt.
So hat z.B. der Giersch, der in der schattigsten Ecke des Gartens wächst, Interessantes zu bieten: Er ist eines der ältesten Wildgemüse und wurde bis zum Aufkommen des Spinats im 16. Jh. als Nahrungsmittel genutzt. Unsere Vorfahren wussten noch um seine Doppelbedeutung als Heil- und Nahrungsmittel und nutzten ihn zur Linderung bei Gicht und Rheuma. Sein mild-würziger Geschmack macht ihn gerade für den „Anfänger“ in Sachen Wildkräuter zu einem guten Übungsobjekt, denn er lässt sich bereitwillig auf alle möglichen Zubereitungsvarianten als Salat und Gemüse ein.
Auch die jungen Blätter der so unbeliebten Brennnessel zeigen sich und laden uns förmlich ein, sie als Salat oder Gemüse zu genießen und so von ihrem Mineral- und Vitaminreichtum zu profitieren. Ein wahrer Hochgenuss sind in Butter gebratene junge Brennnesselblätter! Vergessen Sie nur beim Pflücken die Handschuhe nicht und legen Sie die Blätter vor der Zubereitung kurz in warmes Wasser, sonst zeigt sich die heilkräftige Pflanze von ihrer prickeligen Seite.

Gänseblümchen und Löwenzahn bereichern jeden Salat mit ihren Blüten und Blättern und sorgen zudem noch für einen schönen Augenschmaus. Wer es mag kann die zarten, noch geschlossenen Blüten der Gänseblümchen als Kapernersatz einlegen. Der Löwenzahn regt mit seinen Bitterstoffen die Gallenfunktion an - wem dies zu viel des Guten ist, der kann ihn über Nacht wässern, um die Bitterstoffe auszuschwemmen. Sinnvoller ist es aber, diese zu nutzen und zum Beispiel durch Mischen mit anderen Kräutern oder „normalem“ Blattsalat zu mildern.

Verlassen wir den Garten und begeben uns auf einen Spaziergang in die Umgebung, begegnet uns auch hier eine Vielzahl von Wildkräutern, die unser Bedürfnis nach Erneuerung, Reinigung und Entschlackung gerne unterstützen.
Einer der frühesten Frühlingsboten ist der Huflattich, der zuweilen schon im Februar mit seinen sonnengelben Blüten in der ansonsten noch kargen Landschaft leuchtet. Die jungen Blätter können als Salat oder Gemüse genossen werden, wobei man sie nur in kleinen Mengen verzehren sollte und nicht während der Schwangerschaft.
Auch Spitzwegerich und die Wegwarte zeigen ihr erstes Grün und können als Salat zubereitet werden. Der Sauerampfer, der sich ab April hervorwagt, kann Würze in Salate oder auch Suppen bringen.
Im späteren Frühjahr und Sommer folgen viele weitere Wildkräuter, bei deren Entdeckung ein Bestimmungsbuch gute Dienste leisten kann, wenn man mit dem Sammeln beginnen möchte. Vor dem Verzehr sollte man immer sichergehen, dass es sich um eine essbare Pflanze handelt - im Zweifel die Finger davonlassen!
Es versteht sich von selbst, dass man beim Sammeln achtsam vorgeht und z.B. nur einige Blätter einer Pflanze pflückt, so dass diese weiterleben kann. Ein günstiger Zeitpunkt zum Sammeln von Wildkräutern ist im Übrigen der Mittag, da die ätherischen Öle im Laufe des Nachmittags zurückgehen und über Nacht neu gebildet werden.

Falls Ihnen dieser kleine Ausflug Lust auf mehr gemacht hat, hier noch eine Literaturempfehlung:
Elisabeth Mayer, „Wildfrüchte, Wildgemüse, Wildkräuter erkennen, sammeln und genießen“ ISBN 3702008357, 15,80 Euro
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3702008357/icookde/
(© Claudia Berardi )
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