pelambung
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verfasst
am 19.06.2003 um 00:00:00 Uhr | Titel: Das Märchen von der Cäcilie Krapf
Der Wiener Faschingskrapfen sei, so erzählt die Mär, eine Erfindung der Altwiener Hofratsköchin Cäcilie Krapf, genannt Frau Cilly.
Ein Blick ins etymologische Lexikon bestätigt jedoch, daß es den Krapfen schon gab, als in ganz Europa noch niemand wußte, was ein Hofrat ist.
Das berühmte Schmalzgebäck trug bereits zur Zeit Karls des Großen den Namen "crapho", was soviel wie Haken oder Kralle bedeutet, eine Form, die bei manchen Krapfenspezialitäten mit etwas Phantasie auch heute noch erkennbar ist (verwandt mit Krampf, das von "krumm" stammt).
Doch selbst wenn bereits die alten Römer dem Vernehmen nach bei ihren ausschweifenden Frühlingsbacchanalien ein dem Krapfen verwandtes Gebildbrot buken, so haben die Wiener doch im Laufe der Jahrhunderte den Krapfen gewissermaßen usurpiert. Davon zeugen schon die berühmten Eipeldauer-Briefe aus dem Jahre 1804, in denen es heißt: "Wenn ich's aber auch vergessen wollt', daß wir noch im lustigen Fasching sind, so würden mich schon d'Krapfen dran erinnern."
Damals füllten übrigens Krapfeninserate die "Wiener Zeitung" so spaltenweise wie heute Insolvenzen und Konkurse.
Beträchlich früher, nämlich in einer Kochordnung des Jahres 1486, sind bereits die "Krapfenpacherinnen" erwähnt, die "in Irrn Ladnen weder Herbergn noch an offenen pleczn nichtz kochen auch kainen visch pachen noch fail haben zu verkauffen noch kain gastung nicht haben haimlich noch offenlich in kein weis, damit vereterey und andere uebel, so daraus kommen, vermitten bleiben."
Wie bei allen Traditionsgerichten gibt es auch beim Krapfen verschiedene Schulen der Zubereitung, deren Anhänger sich allesamt im Besitz der "einzig wahren Lehre" wissen. Die Streitfrage lautet zunächst, ob die Marmelade in den Krapfen gespritzt werden muß oder ob man lieber 2 von Marmelade zusammengehaltene Hälften ausbäckt. Beim Backfett setzt sich der Krapfenhader dann fort: Nur Butterschmalz darf es sein, meinen die einen. Andere schwören auf reine Butter, die rustikalere Schule greift zu Schweineschmalz.
Was hat aber nun Cäcilie Krapf mit dem Wiener Faschingskrapfen zu tun? - Ihre "Erfindung" waren die aus den uralten Krapfenrezepten abgeleiteten "Cillykugeln", das eigentlich Vorbild für unsere heutigen Faschingskrapfen, mit denen sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Hofbälle auf süßeste Weise zu verzaubern wußte, und zwar mit so durchschlagendem Erfolg, daß allein im Kongreßjahr 1815 an die zehn Millionen Krapfen bei offiziellen Empfängen und Bällen verspeist wurden.
aus: Plachutta - Die gute Küche
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