monsternockerl
Mitglied seit:
25.10.2002
Beiträge: 4080
Beitrag
melden |
verfasst
am 18.04.2003 um 00:00:00 Uhr | Titel: Safran - eine natürliche Droge
Wie es früher einmal war.
Das teuerste Gewürz seit alters her ist der Safran. Trotz des hohen Preises war Safran schon immer sehr beliebt. Sein Geruch erinnert eher an eine Apotheke als an Delikatessen. Aber warum wurden zu allen Zeiten und bei allen Völkern horrende Summen dafür bezahlt.Es sind die pharmakologischen Wirkungen: Safran wirkt euphorisierend! Nicht zufällig verglichen ihn Ärzte vergangener Jahrhunderte mit Opium. Sie bescheinigten ihm die gleiche "schmerzstillende und krampflösende Wirkung" und berichten von "heiteren Delirien" bis zu "unbändigem Lachreiz". Heute wird die Bedeutung der Gewürze oft unterschätzt. Im Mittelalter konsumierten die Menschen um einiges mehr als wir. Und die Europäer zahlten Phantastische Preise. Ärgerlich nur, daß der gesamte Gewürzhandel fest in türkischen und arabischen Händen lag. Keinem christlichen Schiff war die Fahrt auf dem Roten Meer gestattet, keinem Händler auch nur die Durchreise. Enorme Mengen an Gold und Geld flossen in den Osten ab, ein Hinweis darauf, wie abhängig die Menschen von diesen "Drogen" waren. Der erste Versuch Europas, sich aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit zu befreien, begann mit den Kreuzzügen. Die geld- und machthungrige Elite des mittelalterlichen Vatikans hatte eher Neigung fürs Geschäft als für leere Gräber. Sie wollten den Weg zu den Gewürzdrogen für Europa und die Kirche freimachen. Zwar gelang den Kreuzfahrern die Gründung eigener Staaten in der Levante. Aber den sagenumwobenen ostasiatischen "Gewürzinseln" waren sie praktisch nicht nähergekommen. Der wirtschaftliche Erfolg der Kreuzzüge war eher bescheiden: Die Araber kontrollierten weiterhin Handel und Preise, Europa hatte nach wie vor keine gleichwertigen Tauschwaren und die "christlichen" Staaten verschwanden irgendwann lautlos von der Landkarte. Angesichts des steten finanziellen Aderlasses mußte ein billigerer Weg gefunden werden, sich der Gewürze zu bemächtigen. Der erste, der es wagte, den Islam zu "umschiffen", war Christoph Columbus. Doch er verfehlte sein Ziel und suchte auf den neuentdeckten "Westindischen Inseln" vergeblich nach den begehrten Würzpflanzen. Erfolgreicher war Vasco da Gama. 1499 kehrte er aus Indien mit einer ersten Ladung Pfeffer zurück. In den folgenden Jahren durchbrachen portugiesische Schiffe das bis dahin bestehende arabisch-venezianische Handelsmonopol und alsbald lieferten sich die seefahrenden Nationen Europas blutige Gewürz- bzw. Drogenkriege rund um den Globus. Die Holländer monopolisierten den Muskatanbau, der fast so wichtig wie Pfeffer war. Zuletzt gewannen die Briten die Kolonialkriege um die Gewürze. Aber da hatte der Preisverfall bereits begonnen. Die Ironie der Geschichte will es, daß die heißbegehrten und umkämpften Gewürze ausgerechnet durch jene Produkte abgelöst wurden, die bei der Jagd nach den Gewürzen quasi "nebenbei" angefallen waren: durch Tabak, Kaffee, Tee und Kakao. Sie wirken schneller und sicherer. Und ihre Ernte ist leichter als etwa das mühsame Zupfen der Safranfäden aus den Krokusblüten.
http://www.rezepte-cocktails.de/
_________________
A journey of a thousand miles begins with just one step |