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Das Berliner Bier und seine Geschichte

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Trigger

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verfasst am 15.11.2003 um 00:00:00 Uhr | Titel: Das Berliner Bier und seine Geschichte

Dem Berliner das Bier schmackhaft machen zu wollen, hieße Wasser in die
Spree zu tragen. Jeder statistische Berliner - vom Säugling bis zum Greis - trinkt
jährlich 140 Liter Bier, wie da sind Berliner Pilsner- oder Vollbier Hel1, Kindl Extra oder Berliner Weiße, Bockbier hell oder dunkel, sogar Porter,aber auch Pils für Diabetiker oder alkoholfreies für Kraftfahrer.
Diese Tradition reicht bis in das 12. und 13. Jahrhundcrt zurück. In einer alten Brauereizeitschrift kann man lesen:“Die alten Weiblein im Hospital zum Heiligen Geist in Berlin brauten schon I288 ein starkes und gutes Bier.“ Bier war Teil der Nahrung, wurde kalt oder warm getrunken und gehörte bald als unentbehrliche Zutat in die Küche. Wir kennen verschiedene Biersuppcn, Fische in Bier, alle möglichen Fleischgerichte mit Biersoßen wie Rind- und Schweinefleisch, Wild und sogar Geflügel.
Schon lange vor unserer Zeitrechnung wurde im alten Ägypten Bier gebraut. Diodores Siculus (80-29 v.u.Z.) beschrieb das in seiner vierzigbändigen Weltgeschichte so: ,,Man macht in Ägypten aus der Gerste einen Trank, welchen man dasselbst Zythum nennt, und der an Annehmlichkeit der Farbe und des Geschmacks dem Weine wenig nachgibt.
Ursprünglich wurde Bier aus Gerste für den Hausgebrauch gebraut. Das durften aber nur begüterte Bürger. Nach Entrichtung einer Steuer von drei Pfennigen je Tonne durfte der Gerstensaft auch an die Nachtbarn verkauft werden. Der Rat der Stadt von Berlin legte fest, wieviel Gerste und Malz für dic Bierherstellung verwendet werden mußten, und bestimmten auch den Bierpreis.
Im Jahre 1374 ordneten die Ratsherren außerdem an: „Es soll keiner unserer Bürger, welches Ansehen er auch besitzt, fremdes Bier kaufen, verkaufen oder einführen.“ Ausnahmen gab es nur für den Rat selbst, was ihm ein gutes Geschäft sicherte.
Nach und nach wurde diese Anordnung gelockert, da dem Berliner ihre eigenen Biere, wie „Bullerbuch“, Mühlenecker“ und „Hofbier“ nicht schmeckten. Besonders beliebt war das Bernauer Bier, über das wir allerdings in den „Bierstudien“ des Hofraths Dr. Theodor Gräße aus dem Jahre 1872 lesen: „Es sind aber bernawische Bier ziemlich hitzige Bier und geben viel Dünste ins Haupt und machen reichlich trunken.“
Im Mittelalter hatten Bierkoster die Aufgabe, die Qualität des Bieres zu prüfen. In Bernau bediente man sich einer einfachen, aber wirkungsvollen Methode.Die Bierkoster, „Bierkieser“ wurden sie hier genannt, kamen mit Lederhosen bekleidet in die Brauereien, begossen eine hölzerne Bank reichlich mit Bier, blieben mehrere Stunden sitzen, um ausgiebig zu essen und zu trinken. Blieb die Lederhose nach dieser Prozedur an der Bank kleben, wurde das Bier für gut befunden.
Mit der Zeit wurde auch das einheimische Bier besser und Berlin eine trinkfreudige Stadt. Doch wer nach dem letzten Läuten des Nachtwächters noch Bier trank, hatte mit einer Bestrafung zu rechnen. Diese Trunkenbolde wurden in Berlin in den Bernauischen Keller und in Cölln im Gertraudenthor über Nacht in die „Narrenkiste“ gesperrt.
Bier wurde vornehmlich in der kalten Jahreszeit gebraut, da es noch keine Eiskeller oder ähnliche Kühlmöglichkeiten gab. Das Märzenbier erhielt einen stärkeren Hopfenzusatz und wurde deshalb nicht so schnell sauer. Die begüterten Schichten bevorzugten allerdings auch weiterhin auswärtige Biere.
Aus dem „guten gesunden Weißbier“ ging schließlich die berühmte Berliner Weße hervor. Das gut bekömmliche und schwach alkoholhaltige Bier aus Gerste und Weizenmalz kam Ende des 16. JH aus Hamburg nach Berlin. Doch erst seine Herstellung mit Berliner Wasser machte aus dem Weißbier das beliebte Getränk. Während des dreißigjährigen Krieges, als Landknechtshorden sengend durchs Land zogen, soll auch Wallenstein Berliner Weiße getunken haben. Ihm wird die Behauptung zugeschrieben, sie sei das einzige Getränk, das nach einer heißen Schlacht den Durst löschen könne. Im November 1680 wurde für die Erteilung des Braurechts für Weißbier sogar eine Sondersteuer erhoben.
Wie dem auch sei, im „Neuen Fremdenführer für Berlin“ von J.D.F.Rumpf aus dem Jahre 1836 ist zu lesen: „Das Wasser ist weich, süß und hell, daher das berühmte Weißbier!“ Zuerst soll es dort gebraut worden sein, wo auf der Fischerinsel das Gasthaus „Zum Nußbaum“ stand.
Schließlich entwickelte sich das Weißbiertrinken zu einem regelrechten Kult. Gastwirte ließen ganze Warenladungen feinen Sand in ihren Keller fahren und gruben die Weißbierflaschen darin ein, um sie bei einjähriger oder längerer Lagerzeit vor Explosionsgefahr zu schützen. Die auf diese Art „gereiften“ Flaschen wurden dann als „Sandweiße“ serviert. Doch damit nicht genug. Besonders geschäftstüchtige Gastwirte „veredelten“ das Getränk noch weiter als „Champagnerweiße“ Dabei mußte die fertige Sandweiße so vorsichtig in neue Flaschen umgefüllt werden, daß der Heferückstand in den alten Kruken verblieb. Nach nochmaliger Lagerung konnten sie dann kredenzt werden.
Die populärste Form, Berliner Weiße zu trinken ist bis heute der Zusatz von einem Gläschen Himbeersaft, was man „Weiße mit Schuß“ nennt. Doch auch Weißbier mit Waldmeister „Weiße grün“, mit Kümmelschnaps „Weiße mit Strippe“ oder mit Nordhäuser Korn „Nordlicht“ waren beliebte Getränke. Heißes Weißbier mit Zitrone ist als Heilmittel gegen Erkältungskrankheiten überliefert.
Theodor Fontane ließ seinen Herrn Dörr in dem Roman :“Irrungen, Wirrungen“ sagen, daß der richtige Berliner nur 3 Dinge im Leben brauche – eine Weiße, einen Kümmel und Porree.
Doch nicht nur das Weißbier hat seine Geschichte, sondern auch die Gefäße aus denen man es trank. Zuerst wurde Weißbier aus hohen Stangengläsern, die einen Deckel hatten, ausgeschenkt. Sie wurden abgelöst von flachen Stiel- und fußlosen Weißbierwannen, die etwa 2-3 Liter faßten. Da sie für eine Person zu schwer waren, tranken meistens mehrere Zecher aus einem solchen Gefäß. Das war sehr unbequem, und außerdem wurde das Bier schnell schal. Deshalb wurde die Wanne durch einen großen flachen Kelch verdrängt, dem die Weißbierschale auf starkem Stiel und breitem Fuß folgte.
In der Biedermeierzeit wurde wurde die Auswahl der edlen Gerstensäfte in Berlin durch die Zuwanderung des pfälzischen Braumeisters Hopf um eine weitere Bierart bereichert. Er brachte im Jahr 1839 das Bockbier nach Berlin und war gewissermaßen der geistige Vater der bis in die Gegenwart allseits beliebten Bockbierfeste. Auf überlieferten Vereinsfahnen aus dieser Zeit findet man schon den Schafskopf zusammen mit Deckelmaßkrügen als Zierde.
Schließen wir das Thema Bier mit einem kleinen Ausflug in eine Steuerdebatte über alkoholische Getränke im Preussischen Landtag ab. Der Publizist Alexander Meyer erklärte dort im Jahre 1880: „Spiritus stellt man her zu den verschiedensten Zwecken und nur zum verhältnismäßig kleineren Teil zum menschlichen Komsum. Bier wird nur zu dem Zweck gebraut, um getrunken zu werden und dassjenige Bier, was nicht getrunken wird, hat eben seinen Beruf verfehlt.“

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